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Pompeji

Die versunkene Stadt

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Castello Odescalchi di Bracciano

i-fewo: Castello Odescalchi di Bracciano


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Zurück in die Vergangenheit - Nachdem es schon seit mehreren Tagen Vorzeichen für eine Aktivität des Vesuvs gab, weshalb ein Teil der Einwohner die Stadt vorsichtshalber schon verlassen hatte, kam es zur Mittagszeit des 24. August 79 zu einem schweren Ausbruch. Die Eruption schleuderte Unmengen von Asche, Lava und Gasen in die Atmosphäre. Diese Wolke wurde vom Wind über das Land in Richtung Pompeji getragen. Kurze Zeit nach dem Ausbruch regnete es über der Stadt Bimssteinbrocken, die durch die hohe Fallgeschwindigkeit (ca. 200 km/h) zu tödlichen Geschossen wurden. Als sich der Vesuv nach seinem achtzehnstündigen Ausbruch wieder beruhigt hatte, waren die meisten Menschen in Pompeji bereits erstickt oder vom herabfallenden Gestein erschlagen worden. Dennoch hatten einige die Katastrophe bis zu diesem Zeitpunkt überstanden.
Die wenigen, die noch lebten, fielen aber nur kurze Zeit später Glutlawinen zum Opfer. Eines dieser Opfer war der berühmte römische Schriftsteller Plinius der Ältere, der, getrieben von naturwissenschaftlichem Interesse und dem Wunsch zu helfen, mit seiner Flotte (er war der Präfekt der römischen Flotte in Misenum) zum Ort der Katastrophe gefahren war. Vor Stabiae kam er in den Schwefeldämpfen um. Zeuge der Katastrophe war sein Neffe Plinius der Jüngere, der den Ablauf in erhaltenen Briefen detailgetreu schildert. Über 1500 Jahre lang lag die Stadt unter einer bis zu 25 Meter hohen Decke aus vulkanischer Asche und Bimsstein begraben.
Neben Pompeji wurden auch weitere Ortschaften wie Herculaneum, Stabiae und Oplontis vollständig zerstört.– Eine der schrecklichsten Katastrophen in der Menschheitsgeschichte einerseits, andererseits ein Glücksfall für die Archäologie, da das Leichentuch aus Asche die ganze römische Stadt unversehrt gelassen und konserviert hat.
Fest steht, dass das von den Ausgrabungsarbeiten hervorgerufene Interesse – offiziell wird seit 1748 gegraben – nie da gewesene Ausmaße annahm. Hier ist auch der Grund für die im ausklingenden 18. Jahrhundert festzustellende Vorliebe für die Antike zu suchen. Außergewöhnliche Stücke wurden in der letzten Zeit gefunden, darunter luxuriöse Geschirrteile, die im Museum vor Ort zu besichtigen sind. Einige Häuser sind abgeschlossen. Wenn man Glück hat und den zuständigen Wächter findet, schließt er einem auf. Näher Interessierte können sich zu einer Gruppe zusammenschließen und einen Führer engagieren. Für die Besichtigung ist ausreichend Zeit einzukalkulieren: gut einen halben, besser einen ganzen Tag.

Forum: Der große Platz bildete einst den Mittelpunkt des religiösen, politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens der Stadt. Die Bauwerke, die dem religiösen Kult gewidmet waren, sind: das Kapitol; der elegante Apollotempel; der Vespasiantempel mit prächtigem Altar – man beachte dessen Relief, das eine Opferhandlung recht realistisch darstellt – und schließlich die Kultstätte der Laresgötter, die üblicherweise als Hausgötter die Seelen der Vorfahren verkörpern sollten. Anscheinend galt den Pompeijaner ihre Stadt als eine einzige, große Familie; diese Laresgötter hier sollten jedenfalls die Siedlung als Ganzes beschützen. Auch das gesellschaftliche Leben spielte sich im Forum und in seinem näheren Umkreis ab. In allen römischen Städten war das Forum ein belebter Ort, wo die Leute sich zu treffen pflegten; ein bisschen wie heute die italienische Piazza (und unsere Kaufhäuser). Auf der westlichen Seite sind die Abgüsse von Katastrophenopfern in der Lava zu betrachten. Die Via dell´Abbondanza war eine der alten Hauptverkehrsadern Pompejis. Grenzsteine verwehrten den Fuhrwerken die Zufahrt zum Forum – Verkehrsberuhigung in der Antike! Entlang dieser Straße fallen mehrere mit klobigen Steinen beschlagene Übergänge auf, die den Fußgängern das Überqueren der Straße erleichtern sollten.

Comitium: Das politische Leben fand im Comitium statt, wo die örtlichen Magistrate gewählt wurden, und in der Kurie, dem Sitz des pompeijanischen Senates. Basilika: Das Wirtschaftsleben konzentrierte sich in der prachtvollen Basilika, einer Art Börse, verbunden mit einem Gerichtshof; auf dem Macellum, einem ursprünglich überdachten Markt mit zahlreichen kleinen Geschäften verschiedenster Art; im Haus der Eumachia (wahrscheinlich ein Wollmarkt), Sitz der Vereinigung der Tuchhändler und Färber, als deren Patronin Eumachia verehrt wurde. Deswegen finanzierte sie auch diesen stattlichen Bau, um ihn der Augustuskonkordia und der Pietas zu weihen: so steht es jedenfalls auf der marmornen Portalrahmung, die mit rankenden Akanthusblättern verziert ist, geschrieben.

Großes Theater: Von der Via dell´Abbondanza nach rechts abbiegen. Eindeutig griechisch inspiriert, besonders in der Art der Raumausnutzung. Einer der Sitzplätze auf den Stufenbänken trägt noch seine Nummer; es ließ sich errechnen, dass jedem Zuschauer etwa 40 cm an Sitzfläche zugestanden wurde.

Kleines Theater: Nebenan und bedeutend besser erhalten. Es traten dort Musikanten und Mimen auf. Casa degli Amanti: Das Haus der Liebhaber, das seinen Namen einer Inschrift auf einer Tafel in der Säulenhalle verdankt, die auf Deutsch ungefähr folgendes hergibt: „Liebhaber sind wie die Bienen, sie saugen das süße Leben wie Honig in sich auf.“ – Kunstvolle Verzierungen im Atrium; man beachte auch die Fresken des Gewölbes im Triclinium: Bacchus und Ariane, Die verlassene Dido.
Casa del Menandro: Ein luxuriöses Patrizierhaus. Zu sehen ist hier eine reiche Sammlung an Silbergeschirr, die mit einiger Wahrscheinlichkeit der Familie der Poppaea, der Frau Neros, gehörte. Dieser Schatz ist nun im Museum in Neapel ausgestellt. Man beachte ferner die gesamte erlesene Innenausstattung des Hauses: zahlreiche Gemälde (darunter ein Porträt des griechischen Dichters Menander) und Mosaiken sowie eine prächtige Säulenreihe.

Casa del Criptoportico: Mit unterirdischer Säulenhalle. Ihr letzter Eigentümer war gerade dabei, sie zu einem Keller auszubauen, als der Vulkan ausbrach. Hübsche Verzierung des Gewölbes. Zum Zeitpunkt der Naturkatastrophe suchten die Bewohner des Hauses zunächst im Kryptoportikus Zuflucht, flüchteten dann aus einem Lüftungsschacht in den Garten, wo sie vom Ascheregen überrascht wurden.
Die Gipsabgüsse ihrer Körper sind im Kryptoportikus zu sehen, was zu einer eigentümlich-morbiden Atmosphäre beiträgt: so als befänden wir uns in der Grabkapelle einer christlichen Krypta. Fullonica Stephani: Werkstatt, in der Textilien bemalt und gesäubert wurden. Ein Fullo war ein Arbeiter, der die Tücher wusch und sie danach im Bottich mit den Füßen walkte (ähnlich wie Weinbauern die geernteten Trauben zerstampfen), dazu kam ein Gemisch von Wasser und ... Urin, in Ermangelung anderer Ätzmittel. Besonders Kamelurin soll für diesen Zweck heiß begehrt und für teures Geld importiert worden sein.

Ein Großteil der Häuser der Stadt waren einfache Wohnquartiere, oft mit einer angeschlossenen Werkstatt oder einem Laden. Seinen herausragenden Ruf hat Pompeji jedoch vor allem wegen seiner luxuriösen Häuser der Oberschicht. Viele dieser palastähnlichen Anlagen wurden schon in samnitischer Zeit angelegt und waren den römischen Gebäuden dieser Zeit weit voraus. Manche Bauten, wie etwas das Haus des Fauns, hatten eine Grundfläche von 3000 qm und ein darüber liegendes zweites Stockwerk. Somit konnten sich diese Häuser sogar mit den Palästen der hellenistischen Herrscher im östlichen Mittelmeer messen. Erst mit der römischen Expansion im 2. Jahrhundert v. Chr. kam dieser Wohnluxus bis in die römische Hauptstadt.
Ein weiteres für Pompeji nachgewiesenes Gewerbe war die Prostitution. Von besonderer Bedeutung ist, dass in der Stadt das einzige mit Sicherheit als lupanar zu identifizierende antike Gebäude überhaupt gefunden wurde. Die frühere Annahme, in der Stadt hätten sich weitaus mehr Bordelle befunden, konnte durch die Forschung bisher nicht bestätigt werden. Oftmals wurden Orte fälschlicherweise als Bordelle benannt, weil sich hier erotische oder sexuelle Darstellungen oder Graffiti obszönen Inhaltes oder mit Bezug zur Prostitution fanden. Diese waren jedoch allgegenwärtig und können nicht als Indiz für derartige Betriebe genommen werden. Allerdings ist anzunehmen, dass Prostitution nicht nur in diesem einen Gebäude stattfand. Prostituierte gingen wohl in eigenen Wohnungen oder in angemieteten Zimmern (oft direkt an der Straße mit direktem Zugang) ihrem Gewerbe nach.
Außerdem waren auch viele Kellnerinnen nebenher in diesem Beruf tätig, so dass auch viele Gaststuben derartig verwendet wurden. Selbst in angesehenen Gegenden lassen sich anhand von Graffiti Prostituierte nachweisen, die offenbar ihre Quartiere in den oberen, heute nicht mehr vorhandenen Etagen der Häuser hatten. Dank dieser Graffiti, die zu Hunderten überliefert sind, sind auch viele Namen von Prostituierten bekannt, die häufig aus dem Osten des Reiches stammten und Sklavinnen waren. Dabei reichen die Beträge von ein bis zwei As bis hin zu hohen Beträgen im Sesterzenbereich. Im unteren Preissegment kostete die Leistung nicht mehr als ein Brot oder ein Liter Wein.
 
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