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Michelangelo

Der göttliche Künstler (Teil 1)

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Castello Odescalchi di Bracciano

i-fewo: Castello Odescalchi di Bracciano


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Geboren wurde Michelangelo als zweiter Sohn von Francesca di Neri und Lodovico di Leonardo di Buonarrota Simoni am 06.03.1475 in Caprese (Casentino, oberes Arnotal nördlich von Arezzo in der Toskana). Kurze Zeit später zog die Familie nach Florenz, wo Michelangelo einer Marmorarbeiterin aus Settignano zur Pflege übergeben wurde. Mit bereits 13 Jahren wurde Michelangelo zum bezahlten Assistenten der damals sehr bekannten Künstlerwerkstatt Domenico Ghirlandaio. Dort erwarb er das fundierte Wissen der Freskokunst. Und wie alle Künstler in Florenz lernte auch er in der Brancacci-Kapelle. Neben der Bildhauerei, die seine große Liebe war, wandte er sich auch der Malerei zu. Noch vor Beendigung seiner Ausbildung bei Domenico Ghirlandaio wurde er an die Bildhauereischule als Maler versetzt. Die Schule wurde von den Medici gefördert und befand sich in einer der Gärten der Medici. Drei Jahre lernte er dort, bis sein Meister Lorenzo verstarb. An Stelle von Lorenzo lehrte nun sein Sohn Piero de Medici, der nicht über die Qualitäten seines Vaters verfügte. Im Herbst 1494 setzte sich Michelangelo zusammen mit noch zwei weiteren Künstlern nach Bologna ab. Das Volk lehnte sich gegen die Herrschaft von Piero de Medici auf und eine Katastrophe war zu befürchten. In Bologna wurde er von den Mitgliedern der Aldovrandi-Familie mit offenen Armen empfangen, die gerade einen Auftrag für zwei Heiligenfiguren und einen Engel für die Grabstätte des heiligen Dominikus für die Kirche St. Petronius erstellen sollten.

Michelangelo Buonarrota
Michelangelo Buonarrota
Vesperbild im Petersdom
Vesperbild im Petersdom
Doch die Arbeit scheiterte und Michelangelo kehrte zurück nach Florenz. Dort blieb er nicht lange ohne Arbeit. Zum einen sollte er zusammen mit anderen Künstlern einen Versammlungssaal für den großen Rat erstellen und zum anderen schlug ihm ein Freund vor, man könne doch eine Statue des schlafenden Cupidos kopieren, dann so färben und behandeln, dass es antik aussehe. Zum Spaß machte Michelangelo bei diesem Betrug mit. Zunächst schien der Plan aufzugehen, denn das Kunstwerk wurde teuer an den Kardinal von San Giorgio Raffaele Riario in Rom verkauft. Doch schon bald flog der Betrug auf und der Händler musste die Kaufsumme zurückerstatten. Michelangelo dagegen wurde von dem römischen Kunstliebhaber versichert, dass er sich seiner annehmen würde, sollte er nach Rom kommen. Dieser Einladung folgend traf er im Juni 1496 in Rom ein. Doch wurden seine Hoffnungen auf den Kardinal schnell zerstreut, auch auf Piero de Medici, der als Verbannter in Rom lebte, bekam er keine Hilfe. Von Jacopo Galli, einem römischen Adligen, erhielt der Künster den Auftrag für einen römischen Liebesgott (Cupido) und einen römischen Gott des Weines (Bacchus) und von dem französichen Kardinal Jean de Villiers de la Grolaie bekam er den Auftrag für das Vesperbild (Pietà) im Petersdom.

Nach einem fünfjährigen Aufenthalt in Rom kehrte er im Sommer 1501 auf Drängen seines Vaters zurück nach Florenz. Während seiner Abwesenheit wurde Florenz durch viele extrem politische Unruhen und das mystische und asketische Regime von Savonarola (dazu in einem späteren Newsletter mehr) geprägt. Michelangelos Vater verlor in diesen Zeiten seine Arbeit. Michelangelo betrachtete es als seine Pflicht gegenüber seiner Familie, diese zu unterstützen und so geschah es, dass er seinen Vater und seine Brüder aushielt, während er selbst fast bis an die Grenzen seiner Kraft ging und zahlreiche Entbehrungen auf sich nahm. So erhielt er in Florenz von Kardinal Francesco Piccolomini den Auftrag für die Kathedrale in Siena mit der Arbeit an der Grabstätte für Papst Pius II weiterzumachen. Doch ein neues Werk zog die Aufmerksamkeit des „Göttlichen“ - wie er bereits in Florenz genannt wurde - auf sich und so entstanden höchstens vier Figuren und diese auch nur teilweise durch seine Hand. Sein neues Projekt, dessen Auftrag er am 16.08.1501 erhielt, sollte eine kolossale Statue des David sein. Gehauen aus einem einzigen riesigen Marmorblock, der vierzig Jahre zuvor erfolglos von einem anderen Bildhauer angefangen wurde und seitdem nutzlos herumlag. Das Resultat seiner Schaffenskraft erstaunte jeden Betrachter. Der Ausdruck von überragender Stärke, die er dem Werk gab, wurde in einer bis dahin nie erreichten Präzision ausgeführt. Aufgestellt wurde das Kunstwerk dann vor dem Rathaus, von wo aus es dann 1873 in die Akademie der Künste umzog und wo es heute noch zu bewundern ist. Dies geschah um das Kunstwerk vor der Zerstörung der Umwelteinflüsse zu bewahren. Ein Abguss des David ist heute auf der Piazza della Signora zu bewundern.

Original von David
Original von David
In der selben Zeit, wo der David entstand, erhielt Michelangelo weitere Aufträge. So fertigte er für Marschall Pierre Rohan einen zweiten David in kleinerem Maßstab und in Bronze, einen grob behauenen Sankt Matthäus für die Florentiner Kathedrale und er begann eine Madonna mit Kind, sowie zwei Basreliefs zum gleichen Thema.

Während Michelangelo die Cascina-Schlacht auf Karton malt, wird er Anfang 1505 zum Papst Julius II berufen. Mit der Abreise nach Rom gilt die erste Phase seines Schaffens als beendet.
Grabdenkmal Julius II in San Pietro (Vincoli)
Grabdenkmal Julius II in San Pietro (Vincoli)
In Rom erhilet der Meister dann vom Papst den Auftrag zu einem Grabmonument, das den Ruhm des Papstes noch über dessen Tod hinaus tragen soll! Nachdem der Entwurf von Michelangelo angeommen wurde, reiste er im Winter 1505 nach Carrara, um die Auswahl des Marmors vor Ort direkt zu überwachen. Im Frühjahr 1506 kehrte er dann zurück nach Rom, um seine Arbeit vorzubereiten. Doch es sollte anders kommen, denn während seiner Abwesenheit wurde der Neubau der Peterskirche beschlossen. Unter dem Einfluss und der Böswilligkeit von Julius Bramante musste Michelangelo sein bildhauerisches Werk unterbrechen und wurde verpflichtet, die Fresken in der Sixtinischen Kapelle zu gestalten. Den Papst unterdessen interessierten bald mehr neue Kriegspläne und Eroberungen. Auch wurde zum Unbehagen des Maestro seine offenen Zahlungen nicht beglichen.
Als er schließlich mit wenig Höflichkeit entlassen wurde, verließ er im April 1506 Rom, aus Angst um sein Leben. Ehe die Schergen des Papstes ihn einholen konnten, war er bereits auf sicherem Terrain in Florenz. Dort widmete er sich wieder, so glaubt man, der Fortsetzung des Schlachtengemäldes und ignorierte jegliche Anträge aus Rom. Erst nach dem siegreichen Feldzug des Papstes lies sich der Künstler unter dem Versprechen der erneuten Gunst und unter sicherem Geleit überreden sich nach Bologna zu begeben. Dort bekam er den Auftrag zu einer Bronzestatue, die als Symbol die Autorität des Papstes widerspiegelt. Die Statue wurde über das Hauptportal der St. Petronius Kirche gestellt. Dort verbrachte sie dann 3 Jahre, bis sie bei einer Revolution zerstört wurde.
 
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