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In der Toskana Tarotkarten legen

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Der kleine Ort Fiorentina befindet sich in der Gegend von Garavicchio in der Region Grosseto, nördlich der Via Aurelia. Diese typisch toskanische Landschaft hat sich Niki de Saint Phalle ausgesucht, um ihren Traum von einem Tarotgarten zu verwirklichen. Ein Projekt, das 1978 begonnen und erst 19 Jahre später fertig gestellt wurde.
Die Sonne
Die Sonne
Niki de Saint Phalle wurde am 29.10.1930 in Neuilly-sur-Seine geboren. Drei Jahre später wandern die Eltern mit Ihr zusammen nach Amerika aus. Niki de Saint Phalle absolviert nach mehreren Schulwechseln in New York ihr Abitur. Dann arbeitet sie als Fotomodell. Heiratet Harry Mathews in New York und zieht nach der Geburt ihrer Tochter Laura zurück nach Europa. Nach einem psychischen Zusammenbruch beginnt sie, sich mehr für die Kunst zu interessieren, sie durchreist Italien und Spanien. Zwei Jahre nach einem erneuten Nervenzusammenbruch beschließt sie, sich ganz der Kunst zuzuwenden. Dazu studiert sie die Techniken von Pollok und ihrem späteren Mann Jean Tinguely, aber auch von Rauschenberg und Yves Klein. Zunächst arbeitet sie als Aktionskünstlerin und macht mit Schießbildern auf sich aufmerksam. Die Schießbilder entstanden während der Vernissage, indem sie mit einem Luftgewehr auf in Gipsreliefs eingearbeitete Farbbeutel schoss! 10 Jahre später, ab 1964, entstanden die ersten großen Frauenfiguren „Nanas“ mit betont weiblichen Formen. Ausstellungen dazu fanden in Stockholm, New York, München und Hannover, sowie Paris und Rom statt.
Kleiner Brunnen auf dem Platz
Kleiner Brunnen auf dem Platz
Der Tarotgarten ist neben den vielen kleinen Performances, Vernissagen und dem Stravinsky-Brunnen in Paris ihr größtes und auch zugleich umfassendstes Projekt. Durch die weltbekannten Barockgärten der Toskana – wie in Tivoli die Villa d’Este, die Villa Chigi Cetinale nahe Sienas und Sacro Bosco bei Bomarzo – bekam Sie die Idee von einem neuen Garten – einem Garten, der die Zeitgeschichte widerspiegelt und ihre feministischen Intention in Szene setzen soll.
So schuf sie in jahrelanger unermüdlicher Arbeit zusammen mit Ihrem Mann Jean Tinguely und einem großen Team an Helfern diesen Tarotgarten – mit Blick auf das Tyrrhenische Meer und ein stillgelegtes Atomkraftwerk! Auf dem Parkgelände befinden sich die 22 Figuren des großen Arkanums (von O. bis XXI). Die Bedeutung des großen Arkanums liegt in seiner übergeordneten universellen Lehre, die – so wird es gesehen – den kosmischen Gesetzmäßigkeiten zugrunde liegen. Es zeigt die allgemeinen und bedeutungsvollen Zusammenhänge des Augenblicks für das Leben des Betreffenden auf. Es sind die aussagestärksten Karten im Tarotspiel.
Die monumentalen Skulpturen sind eine eigene von St. Phalle auch teilweise neu interpretierte Darstellung der bis dahin bekannten Tarotkarten. Sie orientiert sich vom Stil her eng an den „Nanas“ aus den 70er Jahren. Die Technik, mit der diese riesigen Figuren, die begehbar und auch bewohnbar sind, entstanden, erfordert sehr viel Handwerkskunst auf ganz verschiedenen Ebenen und mit vielen verschiedenen Materialien.
Gittergerüst
Gittergerüst
Mit Zement überzogen
Mit Zement überzogen
Zunächst wurden Stahlstäbe gebogen und verschweißt um ein stabiles Gerüst zu erhalten, das von einem Maschendraht umspannt wird. Als Untergrund wurde dann ein Zement-Kunststoff-Gemisch aufgetragen! St. Phalle erinnert sich noch daran, dass als diese Arbeiten fertig waren, die Skulpturen einen melancholischen und schwermütigen Ausdruck hatten, hingegen sie aber einen Garten der Freude erschaffen wollte!
Der letzte Arbeitsschritt war nun mit Hilfe von Keramikern unter Verwendung der alten italienischen Handwerkstradition den Figuren die Farbvielfalt zu verleiben. Die Keramikstücke wurden an der Skulptur angepasst, nummeriert und dann zum Ofen gebracht, um gebrannt und glasiert zu werden. Beim Brennvorgang verlieren die Keramiken 10% ihrer Größe. Diese Zwischenräume wurden dann mit von Hand geschnittenen Keramikstücken aufgefüllt.

Parallel zum Aufbau des Tarotgartens arbeitet Niki de Saint Phalle an verschiedenen Projekten. Sie kreiert Ihr eigenes Parfüm, malt und zeichnet ein Buch, veranstaltet große Ausstellungen und bemalt ein zweimotoriges Flugzeug. 1992 organisiert die Kunst und Ausstellungshalle in Bonn eine große Niki de Saint Phalle-Retrospektive mit einem Skulpturenpark auf dem Dachgarten. Im folgenden Jahr reist die Ausstellung nach Glasgow, Paris und Fribourg.

1994 zieht Niki de Saint Phalle auf anraten ihres Arztes nach Süd-Kalifornien, wo sie den größten Teil der Zeit arbeitet. 1997 findet eine große Niki de Saint Phalle Retrospektive in Brasilien statt, gefolgt von einer Ausstellung in der Galerie Wild, in Frankfurt a. M. und 2000/2001 in Hannover „La Fête“.

Am 21.03.2002 verstarb mit 71 Jahren die unvergessliche Künstlerin in San Diego.

Die 22 Karten des großen Arkanum:
Der Narr (O)
Der Narr (O)
Der Magier (I)
Der Magier (I)
Die Hohepriesterin (II)
Die Hohepriesterin (II)
Die Kaiserin (III)
Die Kaiserin (III)
Der Kaiser (IV)
Der Kaiser (IV)
Der Hohepriester (V)
Der Hohepriester (V)
Die Liebenden (VI)
Die Liebenden (VI)
Der Wagen (VII)
Der Wagen (VII)
Ausgleichung (VIII)
Ausgleichung (VIII)
Der Eremit (IX)
Der Eremit (IX)
Glück (X)
Glück (X)
Lust (XI)
Lust (XI)
Der Gehängte (XII)
Der Gehängte (XII)
Tod (XIII)
Tod (XIII)
Kunst (XIV)
Kunst (XIV)
Der Teufel (XV)
Der Teufel (XV)
Der Turm (XVI)
Der Turm (XVI)
Der Stern (XVII)
Der Stern (XVII)
Der Mond (XVIII)
Der Mond (XVIII)
Die Sonne (XIX)
Die Sonne (XIX)
Das Aeon (XX)
Das Aeon (XX)
Das Universum (XXI)
Das Universum (XXI)
 
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