In vielen europäischen, asiatischen, afrikanischen oder auch amerikanischen Kulturen fand laut Überlieferung die Verehrung von mächtigen Geistern, die in feurigen Bergen wohnen, statt. So verehrten beispielsweise die alten Griechen Hephaistos. Dieser - so glaubte man - war stets bei der Arbeit, wenn Funken und Flammen aus einem Vulkan schlugen. Die Römer wiederum dachten, die Insel Vulcano, die wie auch Stromboli zu den Liparischen Inseln (auch Äolische Inseln genannt) gehört, wäre die Schmiede von Vulcanus, der Gottheit der Waffenschmiede und des Feuers. Vor 25000 Jahren begannen die Aktivitäten des Monte Somma, jenem Berg, auf dem sich der Vesuv befindet. Durch Reibung der europäischen und afrikanischen Kontinentalplatten entstanden Risse im Erdmantel und genau dort, an den Schwächezonen der Erdoberfläche, kann Vulkanismus auftreten. Dieser äußert sich geradezu so, als schraube man von einer aufgeschüttelten Sprudelwasserflasche den Deckel ab. Kohlendioxid tritt schlagartig hervor und reißt viel Wasser mit sich. Und so reagiert auch ein Vulkan, wenn Erdbewegungen seinen „Deckel“ lüften! |
![]() Hephaistos bei der Arbeit |
![]() Vesuv - Ausbruch von 1944 |
Historiker verzeichnen die ersten starken Erdbeben des Vesuv um 1740 v. Chr., wobei damals bronzezeitliche Siedlungen zerstört wurden. Der nächste Ausbruch des Vulkans fand 79 n. Chr. statt, wobei zu dieser Zeit Pompeji Herculaneum und Stabiae zerstört wurden (siehe Newsletter). Dann folgte bis ins 16. Jahrhundert hinein eine Periode der Dauertätigkeit, wobei es mehr als 10 größere Ausbrüche gab, gefolgt von den heftigen Ausbrüchen in den Jahren 1631 und 1794. 1794 floss der Lavastrom zum dritten Mal durch das Dorf Torre del Greco bis ins Meer. 1872 wurden die Dörfer Massa und San Sebastiano bei einer erneuten Eruption des Vulkans zerstört. Von da an folgte die längste bekannte Aktivitätisperiode des Vesuvs! Viele Male fanden Flankenausbrüche statt, wobei die Lava kleine Staukuppen bildete, wie Colle Margherita mit 160 Metern (heute nicht mehr erkennbar) und der gleich hohe Colle Umberto. Seit den letzten beiden großen Ausbrüchen im Jahre 1906 und 1944 ist der Vulkan ruhig! 1944 wurden erneut die beiden Städte San Sebastiano und Massa zerstört. |
Mit den ersten Touristen, die Italien bereisten, wie z. B. Johann Wolfgang von Goethe, der bei einer Lavaeruption im Frühjahr 1787 sich am Kraterrand des Vesuvs aufhielt, wurde auch der Vulkantourismus immer interessanter. Anfangs waren es nur wenige. Mit den Jahren aber nahm die Anzahl der Besucher stark zu, so das im Jahre 1870 der Bankier Oblight auf die Idee kam den Besuchern eine Bergbahn anzubieten, um den mühsamen Aufstieg zum Kraterrand zu erleichtern. 10 Jahre lang dauerten die Arbeiten, bis schließlich am 06.06.1880 die Funiculare eingeweiht wurde. |
Die italienische Presse beschimpfte die Bahn als „Entweihung des Berges Somma“! Das Projekt drohte zu scheitern. Aber die Betreiber reagierten schlagartig und ersannen eine Idee! Die Frage war, wie kann man die Funiculare dem Volk schmackhaft machen? – Die Antwort war schnell gefunden. Ein Lied über die Bergbahn musste her! Und so wollte das Bergbahnunternehmen Musiker engagieren, die das Lied für das bevorstehende Piedigrotta-Fest produzieren sollten. Der neapolitanische Journalist Peppino Turco und der aus Stabia stammende und nach England ausgewanderte Musiker und Komponist Luigi Denza, die zu dem Zeitpunkt in Castellamare di Stabia verweilten, hörten davon und setzten sich zusammen an den Flügel des Hotels und komponierten den Welterfolg „Funiculì - Funiculà“. Durch diesen Hit wurde auch die Bergbahn bei der Bevölkerung akzeptiert und somit auch das Projekt gerettet! |
![]() Funiculì - Funiculà |
Die mit einer nur 45 PS starken Dampfmaschine betriebenen Seilbahn machte den Ausflug an den Kraterrand bis 1944 zu einem Vergnügen! Selbst der Vulkanausbruch von 1906 konnte der Vesuvbahn nur wenig anhaben! Aber beim letzten Ausbruch des Vesuv im Jahre 1944 wurde die Bahn dann zerstört. Erst 1953 – 9 Jahre später – wurde an der gleichen Stelle ein Sessellift eröffnet, der dann bis zum Erdbeben 1980 wagemutige Touristen auf den Berg beförderte! Nachdem es nun auch keinen Sessellift mehr gibt, um den Kraterrand zu erreichen, hat der Vulkantourismus am Vesuv wieder etwas nachgelassen. Selbst die am Eingang zu mietenden Gehstöcke verhelfen kaum über den fehlenden Luxus der Bergbahn oder auch des Sessellifts! |
![]() Der Vesuv |
Eine Besteigung des Vesuvs ist nur an klaren Tagen zu empfehlen, denn die mühsame Ersteigung des immerhin 1.281 m hohen Berges soll ja schließlich auch mit einer grandiosen Aussicht auf Neapel und das Tyrrhenische Meer belohnen. Ein Ausflug zum Vesuv bietet sich vom Cilento und von der Amalfiküste aus an. Um den Berg zu besteigen, fährt man am besten bei Ercolano oder Torre del Greco von der Autobahn A3. Von dort führen Serpentinenstraßen den Berg hoch bis zur ehemaligen Station des Sessellifts. Von dort (ca. 1.000 m ü.NN) geht es zu Fuß weiter den Berg hinauf! |
Tipps für den Ausflug: |
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Wenn man den Monte Somma vom Hafen in Neapel klar sehen kann, wird man auch eine gute Aussicht haben |
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Der Aufstieg dauert bei normaler Kondition ca. 35 Minuten |
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Achten Sie auf festes Schuhwerk, denn es führt nur eine Schotterpiste an den Kraterrand |
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Nehmen Sie genügend Wasser zum trinken mit |
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Nehmen Sie warme Kleidung mit, denn selbst wenn es am Meer heiß ist so ist, doch der Wind am Krater kühl |
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Und wer noch einen aktiven Vulkankrater durchwandern möchte, der findet ihn in Pozzuoli-Solfatara ca. 5 km westlich von Neapel (Nichts für empfindliche Nasen) |