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Sardinen

zwischen Tradition und Moderne

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Castello Odescalchi di Bracciano

i-fewo: Castello Odescalchi di Bracciano


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Sardinien (Italienisch: Sardegna) ist die zweitgrößte Insel nach Sizilien im Mittelmeer. Sardinien ist 20.090 km² groß, 270 km lang und etwas über 100 km breit. Die Küstenlinie ist ca. 1.849 km lang. Die bekanntesten Küsten sind die Costa Rei, Costa Smeralda, Costa Verde, Costa del Sud und zuletzt die Costa Paradiso. Zu Sardinien gehören noch kleinere Inseln. Im Südwesten Sant Antioco und Sant Pietro, im Nordosten das Maddalena-Archipel mit La Maddalena, Caprera und weitere kleinere Inseln, an der Nordwestspitze liegt Piana und Asinara.
Sardische Fahne
Sardische Fahne
Die größten Berge auf Sardinien sind Punta La Marmora (1.834 m) und Bruncu Spina (1.829 m) in Zentralsardinien und im Norden der Monte Limbara (1.359 m). Auf Sardinen fließen insgesamt 4 Flüsse. Tirso (150 km), Coghinas (123 km) Flumendosa (122 km) und der Temo (8 km). Die Landessprache ist Italienisch, aber der größte Teil spricht noch Sardisch und in Alghero spricht man einen kaum verstehbaren katalanischen Dialekt, der aus der Zeit der spanischen Eroberung stammt.

Die sardische Bevölkerung korrekt zu beschreiben, ist nahezu unmöglich, so sind sie viel zu konträr, sie ist wie ein Mosaik, in das zahlreiche Völkergruppen ihre wesenstypischen und kulturellen Eigenheiten eingebracht haben. Phönizier, Karthager, Römer, Vandalen, Byzantiner, Sarazenen, Iberer, Korsen, Genueser und Pisaner – alle hinterließen einen Teil ihres, jeweils tradierten Erbes. So entstand eine Mischung aus vielen kulturellen Merkmalen wie die Tatkraft der Punier, der Fleiß der Ligurier, der Stolz der Toskaner, der Realismus der Römer und der tief verwurzelte Familiensinn und die Gastfreundlichkeit verschiedener Völker. Dem „ursprünglichen Sardinien“ begegnet man hauptsächlich noch in den abgelegenen Bergdörfern, dort pflegt man noch die alten Traditionen und Feste und je näher man den Küstenstädten kommt, nimmt die Moderne den Platz der Traditionen ein. Das ganze Jahr über werden auf Sardinien die alten Bräuche gefeiert und jedes Dorf hat seinen eigenen Stil und seine eigenen Trachten. Oft sind es Kirchenfeste, wo immer ein heidnischer Ursprung mitschwingt mit Tänzen und alten Volksweisen. Hauptsächlich wird bei den Volkstänzen die Musik von einem bis drei Männern bestritten. Als Instrumente werden Ziehharmonika, Hirtenflöten, Trommeln oder Akkordeon eingesetzt. Die größten Feste sind das Fest des Heiligen Efisio in Cagliari, Nora und Pula, das Fest Cavalcato in Sassari und das Fest del Redentore (des Erlösers) in Nuoro.

Großnuraghe  Su Nuraxi
Großnuraghe Su Nuraxi
Wann die Geschichte Sardiniens begann, ist ungewiss. Manche behaupten allerdings, dass sie 7.000 Jahre zurückreicht und mit der Megalithkultur (griechisch: mega = groß und lithos = Stein) begann. Dabei handelt es sich um bearbeitete oder unbearbeitete Steinblöcke, die ein Bauwerk darstellen. Vergleichbare Steinkreise findet man in Cornwall im Südwesten von England sowie bei Carnac in Frankreich. Nach neuesten Schätzungen liegen zwischen 6.500 und 7.000 dieser so genannten Nuraghen (frühgeschichtlichen Turmbauten) über ganz Sardinien verstreut.

Die Turmbauten wurden mit großen Steinblöcken ohne Mörtel zu Türmen aufgeschichtet, die sich nach oben hin verjüngen – ähnlich der Bauweise der Trulli in Apulien – und hatten ihren Zugang in der Regel im Südosten. Woher der Name „Nuraghen“ stammt, ist ungewiss, aber aus der griechischen Sage von Pseudo-Aristoteles und Diodor soll Daidalos der Erbauer gewesen sein. Der Nutzen dieser Bauwerke, so Fachleute, wird ein multifunktionaler gewesen sein. Sie waren teils Burgen, Wohnhäuser, Tempel oder gar ganze Siedlungen, wie z.B. Großnuraghe Su Nuraxi außerhalb des kleinen Ortes Barumini im Südosten Sardiniens.

Blick über die Nuraghen
Blick über die Nuraghen
Seitlicher Blick auf Nuraghe
Seitlicher Blick auf Nuraghe
Auch befinden sich auf Sardinien mehr als 1.000 so genannte „Domus de Janas“, Feengräber oder Grabkammern, die sich in Höhlen oder Felsen befinden. Sie stammen aus der gleichen Epoche wie die Nuraghen und liegen in Gruppen von 5 – 40 zusammen. Die bekanntesten Gräber sind die von Anghelu Ruju bei Alghero, Mandra Antine bei Thisi und die Sant Andria Priu bei Bonorva.
Die Eroberungen Sardiniens begannen am Anfang des ersten Jahrtausends v. Chr. durch die Phönizier. Diese besetzten aber nur einen Teil der Insel – vor allem die Küstenstädte – um strategische Stützpunkte für den Seehandel zu errichten und drängten so die Einwohner Sardiniens ins Hinterland zurück. Erst ein halbes Jahrtausend später – 500 v. Chr. – schafften es die Karthager auch dieses Gebiet komplett für sich einzunehmen. Die Unterkünfte der Hirten wurden von den Karthagern zu Festungen ausgebaut und das „Volk der Nuraghen“ verschwand im Untergrund und startete von dort aus den Widerstand gegen die Unterdrücker. Sie waren nicht gut organisiert und die Gruppen bestanden nur aus einer Hand voll meist einfachen Bauern. Die Strategie, die sich entwickelte, nannte man die Taktik der überraschenden Nadelstiche, im Laufe der Geschichte Sardiniens nannte man es später Banditentum! Der Erste Punische Krieg (264 bis 241 v. Chr.) brachte den Sarden ab 259 v. Chr. neue Herrscher! Nachdem die Karthager vor den Römern flohen, brachten die Römer fast ganz Sardinien unter Ihre Kontrolle, bis auf eine Gebirgsregion im Landesinnern, die die frustrierten Römer Barbaria (Barbarei) nannten – worauf die Bewohner der Barbagia noch heute stolz sind.

Die Herrschaft der Römer dauerte bis ca. 465 n. Chr. und dann rangelten abwechselnd Byzantiner, Vandalen, Langobarden, aber auch Araber um die Vorherrschaft der Insel. Auch mussten sich die Sarden – als wäre das nicht schon genug – um häufige Seeräuberüberfälle kümmern. Dazu errichteten sie Städte – etwas von der Küstenlinie entfernt – um sich im Falle einer Bedrohung augenblicklich dorthin zurückziehen zu können. Im Mittelalter rief der Papst Johannes XVIII. die Pisaner und Genuaner zum Kampf gegen die Mauren auf, die versuchten von Spanien aus Sardinien zu erobern. Das führte dazu, dass danach Sardinien aufgeteilt und bis 1164 von Pisa und Genua regiert wurde. 1164 trat Barbarossa auf den Plan und vereinigte Sardinien unter seinem Königreich. Auch diese Herrschaft dauerte kurz, denn schon 1323 landeten riesige Heere von Spaniern auf Sardinien. Das spanische Herscherhaus Aragon hispanisiert Sardinien, vertreibt die letzten Pisaner, unterkocht das arme Bauernvolk und führt Katalanisch als Amtssprache ein, die in Alghero heute noch als Dialekt gesprochen wird. Auch sind viele Bauwerke, wie Kirchen und Palazzi aus dieser Zeit auf Sardinien noch zu sehen. Sardinien fiel nach den Wirren und dem Erbfolgekrieg – im Tausch gegen Sizilien –1720 an das Herrscherhaus Savoyen-Piemont.

Der Herrscher Vittorio Amedeo II beutete die armen Sarden noch weiter aus. Das freie Weideland wurde unter wenigen Großgrundbesitzern aufgeteilt. Dennoch standen die Sarden den Herrschern von Piemont bei, als Napoleon Bonaparte seine Finger nach der Insel ausstrecken wollte. Erst nach der Machtübernahme von König Carlo Felice I., der von 1821 bis 1831 Sardinien regierte, erlebte das Land einen langsamen Aufschwung. 1861 wird Vittorio Emanuele II. „König von Italien“, unter dessen Herrschaft sich auch Sardinen reiht.


Das Freizeitangebot auf Sardinien ist sehr abwechslungsreich. An der Ostküste finden sich kürzere Strände in kleineren Buchten, wobei die Strände rund um Cagliari am begehrtesten sind. Die Westküste bietet teils noch viele lange Strände mit relativ überschaubaren Besucherzahlen. Dagegen liegen im Norden die Hauptbadegebiete, wie an der Nordostküste die Costa Smeralda. Auch gilt die Costa Smeralda als Surfer-Paradies. Dort findet sich für jeden Geschmack der richtige Wind, dort surft man in den kleinen Buchten oder zwischen den Inseln des Maddalena-Archipels. Der Nordwesten hingegen ist für Könner! Dank dem rauen Maestrale ist dieser Teil der Küste den erfahrenen Surfern vorbehalten. Wer es länger unter Wasser zieht und nicht nur bei Sturz vom Surfbrett, der findet an der Küste von Sardinien ein interessantes Tauchrevier vor. Unterhalb der Felsenküste befinden sich oftmals Grotten und Höhlen, die erfahrene Taucher erkunden können. Beliebte Tauchgebiete sind auch das Maddalena-Archipel, Capo Carbonara bei Villasimius im Süden und S. Teodoro sowie S. Maria Navarrese an der Ostküste von Sardinen.

Die Ostküste beginnt bei Olbia und endet in Villasimius vorbei an der Costa Rei. Die Küste ist nicht stark bewohnt, sodass man auch während der Hauptsaison durchaus noch ruhige Strandabschnitte oder Badebuchten finden kann. Der einzige Hafen ist Olbia, von dort werden die Waren auf Schiffe verladen. Einers der Produkte, die noch heute Sardinien verlassen, ist die Korkeiche. Sie wird im nördlichen Hinterland, in der Gegend um Tempio, angepflanzt.

Loore gefunden …
Loore gefunden …
Dünen an der Südküste
Dünen an der Südküste
Die Südküste beginnt hinter Villasimius und endet in Teulada. Das einzig interessante an der Südküste ist Cagliari, die Hauptstadt von Sardinien. Östlich und westlich von Cagliari hat die Küstenregion außer Industrieanlagen wenig zu bieten. Einzig, von der Landschaft her, reizvoll ist die Costa del Sud. Kleinere Buchten wechseln sich mit felsigen Landzungen aus abfallenden Granitfelsen und Sandsteinen ab. Die römische Hafenstadt Nora, sowie die Grotte is Zuddas sind die Sehenswürdigkeiten von Südsardinien.

Zur Westküste zählt man die Inseln Sant Antioco und Sant Pietro hinzu. Die Küste erstreckt sich von Teulada bis Argentiera im Nordosten von Sardinien. Touristisch betrachtet ist die Westküste weit weniger erschlossen als der Rest der Insel, was natürlich auch seinen Charme ausmacht. Dort findet man wenig besuchte Sandstrände und interessante Städte wie Bosa oder Alghero.

Rauhe Felsenklippen
Rauhe Felsenklippen
Felsen im Meer
Felsen im Meer
Der Norden Sardiniens ist die Hochburg des Tourismus und reicht von Argentiera vorbei an der Costa Smeralda bis nach Olbia! Zur Nordküste zählt auch das Maddalena-Archipel mit seinen kleinen Inselchen. Der Norden ist so begehrt wegen der unglaublich schönen Sandstrände, der perfekten Surf-Bedingungen, hohem Komfort und einer guten Infrastruktur. Zu besichtigen sind die schönen Städtchen Castelsardo oder Isola Rossa.
Das Landesinnere von Sardinien ist das gebirgige Herz Sardiniens. Zu den Traumstränden einerseits und den zerklüfteten Bergen mit Macchiadickicht andererseits bietet sich ein Kontrast, der unterschiedlicher nicht sein kann. Dort in den rauen Gebirgszügen leben heute noch Hirten im Einklang mit der Natur. Diese Sarden sind sehr traditionsbewusst aber posieren auch gerne für bare Münzen! Setzten Sie sich in eine der Kneipen in den Bergdörfern und beobachten Sie das Treiben im Dorf, oder durchwandern Sie die wunderschöne Berglandschaft und vielleicht treffen Sie ja bei Ihrer Wanderung auf eine der vielen noch nicht erforschten Höhlen.
 
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