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Die Nuraghenkultur, wie es sie in dieser Form nur auf Sardinien gibt sind eine Unikat im gesamten Mittelmeerraum. Der Name Nuraghe ist präindoeuropäischen Ursprungs. Es bedeutet so viel wie hohler Bau oder hohler Haufen und stammt aus dem sardischen Dialekt. Dort heißt „nurra“ Haufen oder Höhle. Die Nuraghenkultur entstand aus der Bonnanaro-Kultur während der Bronzezeit etwa um 1.800 v. Chr. auf ganz Sardinien und dauerte – je nach Gebiet – bis 500 v. Chr. an. Die neusten Schätzungen gehen davon aus, dass über 6.500 dieser zylindrischen Steintürme, die so genannten Nuraghen über ganz Sardinien verteilt errichtet worden sind, aber es werden selbst heute noch Nuraghen entdeckt oder freigelegt.

Nuraghen
Nuraghen
Bronzestatue
Bronzestatue
Das Volk der Nuraghen brachte seine handwerkliche Geschicklichkeit durch Bronzefiguren zum Ausdruck, die als Reliquien verehrt wurden. Es wurden die Sonne, das Wasser, Menschen, Tiere und Ritualgegenstände aber auch Gegenstände des alltäglichen Lebens vergöttert. Diese Fundstücke sind in den archäologischen Museen der Provinzen zu besichtigen, das bedeutendste Museum der Nuraghenkultur aber ist das archäologische Museum in der Region Cagliari.

Nuraghen sind hüttendorfähnliche Wohnkomplexe die mehrere Aufgaben erfüllen. Zum einen dienten sie als Schutzanlagen aber auch als Kultstätten. Als Nuraghe bezeichnet man aber auch die Türme, die sich nach oben hin immer weiter verjüngen und oben in der Decke eine Öffnung haben, die zur „Terrasse“ führt. Für den Bau der Nuraghe wurden große senkrecht gestellte Quader verwendet. Jede Nuraghe hat oben eine Aussichtsterrasse, die zum einen dem Beobachten der Gestirne diente, aber auch als Wach- und Aussichtsturm genutzt wurde. Die Abstände der Nuraghen sind vielfach so, dass sie in Sichtkontakt zur nächsten stehen. Im Inneren der Nuraghe wurden Rieten zelebriert, wie zum Beispiel die Mittsommerwende oder die Wintersonnenwende.

Nuraghe Fortezza bei Olbia
Nuraghe Fortezza bei Olbia
Aussichtsterrasse
Aussichtsterrasse
Bei der Nuraghe Aiga in der Nähe von Abbasanta wird zu den Sonnenwenden das gebündelte Licht auf eine Nische in der Wand geworfen.

Lichteinfall durch einen Schacht
Lichteinfall durch einen Schacht
Steinstufen hoch zur Terrasse
Steinstufen hoch zur Terrasse
Stufen hinab in den Brunnenraum
Stufen hinab in den Brunnenraum
Neben dem Sonnenkult entstand auch ein ausgeprägter Wasserkult, da Wasser ein kostbares Gut auf Sardinien war. Etwa 50 Wasserkultorte sind auf Sardinien bekannt, die sehenswertesten Quell- und Brunnenheiligtümer sind Predio Canopoli in Perfugas, Sa Testa bei Olbia, Santa Vottoria bei Serri und Santa Cristina. Wobei Santa Cristina bei Paulilatino in der Provinz Oristano zu den schönsten Brunnentempeln auf Sardinien zählt. Anhand von Fundstücken wurde die Errichtung des nuraghischen Dorfes auf das Ende des 20. Jh. v. Chr. zurückdatiert. Die Nuraghe Santa Cristina befindet sich fast im geographischen Mittelpunkt von Sardinien und dort kreuzen sich mehrere große Wasseradern. Um in den Brunnenraum zu gelangen führen Stufen bis zum Brunnenboden hinunter und oben in der Decke des Brunnens befindet sich eine kleine runde Öffnung. Abseits von dem Brunnentempel, eingebettet in einen lichten Olivenhain, befinden sich noch die Mauerreste der Steinbauten, die um die kleine Nuraghe gruppiert liegen. Später wurde gleich neben dem nuraghischen Dorf eine kleine Kirche errichtet die auch Santa Cristina heißt. Die Kirche ist umgeben von einem Kirchplatz an dessen Enden kleine Reihenhäuschen stehen, die noch heute als Pilgerwohnungen genutzt werden.

Die eindrucksvollsten Nuraghen aber erheben sich in ihrer vollen Pracht im gesamten Gebiet der Provinz Cagliari, wobei der Nuraghenkomplex Arrubiu bei Orroli der größte ist und als herausragendes Beispiel diese grandiose Kultur widerspiegelt. Errichtet wurde Arrubiu ungefähr im 15. Jh. v. Chr. und erstreckt sich über eine Größe von 3.000 qm. Diese Kultur findet ihren Ausdruck aber auch in den Gigantengräbern, den Nuraghen zeitgenössische, vorgeschichtliche Steingräber wie z.B. das Nuraghenheiligtum Santa Vittoria bei Serri, einer Stätte, in der der Kult des Wassers (Tempio a Pozzo sacre) praktiziert wurde.

Nuraghenkomplex Arrubiu bei Orroli
Nuraghenkomplex Arrubiu bei Orroli
Übersich der Großnuraghe Su Nuraxi
Übersich der Großnuraghe Su Nuraxi
Der besterhaltene Nuraghenkomplex ist die Großnuraghe Su Nuraxi bei Barumini in der Provinz Medio Campidano. Im Jahre 1997 wurde diese Nuraghe von UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Die Nuraghensiedlung befindet sich auf einer Anhöhe 1 km außerhalb von Barumini im südlichen Teil von Sardinien. Die Hauptnuraghe stammt ca. aus dem 16. Jh. v. Chr. und wurde später von einem Mauerring mit vier kleineren Nuraghen umbaut. Im zweiten äußeren Mauerring befinden sich die Überreste von neun Außentürmen, die dann von dem Dorf umgeben sind. Insgesamt befinden sich in Su Nuraxi ca. 150 Fundamentreste des Dorfes die aus der Zeit bis zum 12. Jh. v. Chr. stammen.

Blick von der Hauptnuraghe aus
Blick von der Hauptnuraghe aus
Überreste eines Steinhauses
Überreste eines Steinhauses
 
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