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Das Weihnachtsfest wird bei unserem Europäischen Nachbarn Spanien ganz anders gefeiert als wir es von Deutschland her kennen. Einige der Traditionen sind uns bekannt, vieles aber weniger. So gibt es in Spanien keinen Weihnachtsmann mit Knecht Ruprecht, der am 6. Dezember über die Taten der Kinder richtet, sondern an dem Tag wird der spanischen Verfassung von 1978 gedacht. Auch gibt es keine Heilige Barbara, keine Adventskalender, Adventskränze und auf einen Tannenbaum haben die Spanier bislang auch verzichtet, wobei diese Tradition immer mehr im Kommen ist. Dafür sind Krippen ein wichtiger Bestandteil des Weihnachtsfestes bei den Spaniern. In jeder Kirche, in jedem Haus, in jedem Geschäft und Büro sind Krippen in unterschiedlicher Qualität zu finden – je nach Geldbeutel.

Krippe in Spanien
Krippe in Spanien
Lebende Krippe
Lebende Krippe
Die lebenden Krippen (Pesebre en Vivo) haben ihren Ursprung in Katalonien. Heute sind sie vielerorts zu sehen. Meist Laienschauspieler spielen in rekonstruierten Kulissen das Leben in Betlehem nach. Aber auch die normalen Krippen verändern je nach Tag ihr Aussehen. Bis Heilig Abend ist die Krippe fast leer, nur die Hirten mit den weidenden Schaafen sieht man um den Stall herum. An Heiligabend wird das Jesuskind in die Krippe gelegt, Maria und Josef daneben und die Heiligen Drei Könige immer näher an den Stall aufgestellt, bis sie am 6. Januar diesen dann erreichen und die Geschenke überbringen.

Der erste Vorbote auf die Weihnachtszeit ist der 8. Dezember, der Tag der unbefleckten Empfängnis. An dem Tag kommen die ersten vorweihnachtlichen Gefühle auf. In der Kathedrale von Sevilla (Andalusien) wird der „Baile de los Seres“ aufgeführt. Ein Tanz mit Gesang aus drei Teilen. In historische Pagen-Gewänder aus der Habsburgerzeit gekleidet treten 12 Chorknaben (damals waren es 16) auf. Die drei Tänze sind zum einen der Gottesmutter, dann dem Bischof und zu guter Letzt dem Volke geweiht. Am 13. Dezember wird vor allem in Barcelona, das Fest der Heiligen Lucia begangen und der Santa Lucia-Markt eröffnet.

Aber die richtige Weihnachtszeit fängt für die Spanier mit dem „Sorteo extraordinario de Navidad“ – der Weihnachtslotterie am 22.12. an. Diese Lotterie hat König Karl III. 1763 ins Leben gerufen um die leeren Staatskassen zu füllen und ist heute die größte und älteste Lotterie der Welt. An dem Tag verbringt ganz Spanien die drei Stunden der Losziehungen vor dem Radio oder dem Fernseher. Neben dem „el Gordo“ (dem Dicken) werden auch kleinere Gewinne ausgespielt. Die Losnummern wurden damals von Waisenkindern vorgesungen, heute singen die Losnummern der Kinderchor der San Ildefonso Schule aus Madrid.

Weihnachtslotterie
Weihnachtslotterie
Turron - die Weihnachtsspezialität
Turron - die Weihnachtsspezialität
Die Geburt Jesus Christus bzw. Weihnachten wird in Spanien seit 380 gefeiert. Am 24. Dezember trifft sich traditionell die ganze Familie zu einem ausgewogenen Abendessen. Um die Krippe herum wird sich dann versammelt und spanische Weihnachtslieder (Villancicos), begleitet von Tamburin und Reibtrommeln gesungen. Bei dem Abendessen mit Truthahn oder Fisch darf das „Turron“, ein Nugat, hergestellt aus gerösteten Mandeln, Zucker, Honig und Eiern nicht fehlen. Nach dem Abendessen wird die Urne des Schicksals mitten auf den Tisch gestellt. Aber nicht in jedem Päckchen ist auch ein Geschenk, es sind auch Nieten darunter, aber es darf jeder so lange ziehen, bis er ein Geschenk erhalten hat.

Der Höhepunkt der Heiligen Nacht (Noche Buena) ist die Mitternachtsmesse (Misa del Gallo – Messe des Hahns), wo sich dann die ganze Familie geschlossen in die Kirche begibt. Denn laut der Überlieferung soll es ein Hahn gewesen sein, der als erster die Geburt Jesu verkündet hat. Nach der Messe trifft man sich vor den Kirchen um gemeinsam an großen Feuern bis in den Morgen hinein Weihnachtslieder zu singen. Der 25. Dezember ist in ganz Spanien ein Feiertag (fällt der 25. auf einen Sonntag, dann ist der 26. auch frei) und da geht man, wer es sich leisten kann, traditionell auswärts Essen. Alle Restaurants sind an diesem Tag bereits Monate im voraus ausgebucht.

Am 28. Dezember ist der Tag der unschuldigen Kinder (Día de los Inocentes) – vergleichbar mit dem 1. April hier bei uns in Deutschland. An dem Tag muss man auf der Hut sein, nicht nur vor den Kindern!!! Wer nicht aufpasst wird kräftig auf die Schippe genommen. Und selbst die Zeitungen, Fernseh- und Rundfunkanstalten scheuen nicht vor „Enten“ zurück. Aber am heftigsten geht es noch auf den Dörfern zu, wo Streiche gespielt werden, die man dann nicht übel nehmen darf!!!

Vom 30. Dezember bis zum 1. Januar wird die Jahreswende (Fiesta de la Coretta) gefeiert. Es wird eine Kiefer gefällt, festlich bunt geschmückt und durch das Dorf oder die Stadt getragen. Hinterher wird die Kiefer noch gesegnet. Kurz vor dem Jahreswechsel begeben sich die Spanier auf die Straßen oder Plätze ihrer Dörfer oder Städte um zu feiern. Seit 1909, einem besonders guten Weinjahr, ist es Brauch um Mitternacht bei jedem Gongschlag der Kirchturmsuhr eine Weintraube zu essen. Nur auf die, die es schaffen wartet ein glückliches Neues Jahr!! Diese Glückstrauben (uvas de suerte) gibt es in Sektgläsern abgepackt oder in Dosen verschlossen in der richtigen glückverheißenden Anzahl zu kaufen.

Ab dem 5. Januar (die Heiligen Drei Könige haben die Krippe fast erreicht) wird man früh morgens von lärmenden Kindern geweckt, die mit Rasseln, Reibbrettern oder aneinander gebundenen Dosen bewaffnet durch die Straßen ziehen. Dies geschieht aus Vorsicht, denn – nach alter Überlieferung – haust in Algeciras auf dem Berg Botafuegos ein Riese, der am Vorabend des Heiligen Drei Königs-Festes eine riesige Wolke auf die Stadt bläst, damit die drei Könige die Häuser nicht erkennen können. Mit dem Krach soll der Riese vertrieben werden, sodass die Kinder ihre Geschenke von den Heiligen Drei Königen bekommen können. Diese treffen dann auch schon am 5. oder aber am 6. Januar, entweder mit dem Boot, per Hubschrauber oder eher klassisch zu Pferd, Festwagen, Kutsche oder auf Dromedaren ein. Flankiert werden sie von ihrem Gefolge auf Elefanten, danach gefolgt von Trommlerzügen und Festkappellen.

Dreikönigeumzug
Dreikönigeumzug
Audienz der Heiligen Drei Könige
Audienz der Heiligen Drei Könige
Dieser bunte Umzug bahnt sich einen Weg durch die wartende Menschenmenge, bis zum Rathausplatz oder Plaza Mayor. Auf dem Weg dorthin wird von dem Gefolge tonnenweise Süßigkeiten in die Menge geworfen. In allen großen Städten Spaniens werden atemberaubende Drei-Königsumzüge organisiert, die landesweit ihresgleichen suchen. Am Rathausplatz angekommen werden die Geschenke, die die Eltern dort zuvor für ihre Kinder deponiert haben an die wartenden Kinder verteilt. Für Kinder deren Eltern sich Geschenke nicht leisten können werden diese von öffentlichen Einrichtungen bezahlt, sodass jedes Kind auch sein Geschenk erhält. Dabei halten die Könige eine Audienz ab, dass jedes Kind auch mit seinem Lieblingskönig sprechen kann. Die Kinder warten aufgeregt in einer langen Schlange bis IHR König sie bittet vorzutreten.

Dann wird noch schnell ein Foto fürs Familienalbum geschossen und dann wird schon langsam ans Drei-Königsmahl gedacht. Entweder man geht in ein Restaurant speisen oder aber nach Hause, um den besonderen Tag an einem festlich geschmückten Tisch ausklingen zu lassen.

Wie auch bei uns in Deutschland, so schreibt man in Spanien mit Kreide die drei Initialen C - M - B (Christus Mansionem Benedicat) über die Haus- oder Wohnungstüre, was so viel bedeutet wie „Christus segne unser Haus“. Der Volksmund allerdings sagt, C steht für Caspar, M für Melchior und B für Balthasar, den Namen der Drei Heiligen Könige aus dem Morgenland.

Festmahl in der Familie
Festmahl in der Familie
 
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