![]() Phantasiemaske Eisprinzessin |
Der Karneval hat sich in vielen Ländern unterschiedlich entwickelt. Ursprünglich war es ein heidnisches Fest für die Austreibung des Winters, woraus sich dann der christliche Bezug zur Fastenzeit entwickelt hat. Das Wort Karneval wird scherzhaft auch gerne aus dem Italienischen (carne vale) mit „Fleisch lebe wohl!“ übersetzt, was auch einen Bezug zur Fastenzeit herstellt. Das in Deutschland gebräuchliche Wort Fastnacht hat aber wahrscheinlich seinen Ursprung aus dem althochdeutschen fasta (Fasten) und naht (Nacht), wobei auch bei uns andere Auslegungen bekannt sind. Zu den Hochburgen des Karnevals neben Köln, Düsseldorf und Rio de Janeiro zählt Venedig. Der Carnevale di Venezia wurde in einem Schriftstück aus dem Jahre 1094 von dem Dogen Vitale Falier in Italien zuerst erwähnt. Der Karneval in Italien fängt am 6. Januar (Epiphana), in Venedig bereits schon am 26. Dezember (Stefanitag) an und dauert bis zum Aschermittwoch, dem Beginn der Fastenzeit. |
Die Fürstenhäuser in Italien entwickelten seit dem Spätmittelalter immer prunkvollere und farbenfrohere Formen des Karnevals. Der Höhepunkt des Karnevals war im 18. Jh. zur Lebzeit von Giacomo Casanova, der so unerkannt seiner Kunst der Verführung frönen konnte. Bis 1797 beherrschten die mächtigsten Familien die Politik und den gewinnträchtigen Seehandel. Beim Italienfeldzug von Napoléon Bonaparte, wo Venedig seine Unabhängigkeit verlor, wurde auch der Karneval in Venedig verboten. Im 18. Jh. wurde das Tragen von Masken wieder entdeckt und auch das Tragen außerhalb der Karnevalszeit üblich. So ging man mit Maske und Umhang zu Bällen, Banketten oder anderen Festlichkeiten. Aber auch Bettler an der Straße und Glückspieler verkleideten sich um unerkannt zu bleiben. |
![]() Kostüm „Giacomo Casanova“ |
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Erst im letzten Jahrhundert wurde diese alte Tradition als Touristenattraktion wieder zum Leben erweckt. Das erste Fest fand 1980 nach fast 200 jähriger Pause wieder statt. Seitdem ziehen wieder in den 10 Tagen vor Aschermittwoch phantasievoll verkleidete Narren, Karnevalisten in historischen Kostümen und sogar aus dem Ausland ganze Karnevalsgruppen mit ihren selbst gefertigten Kostümen durch die Lagunenstadt. |
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Ursprünglich wurde in Venedig im Karneval vermehrt die Halbmaske getragen, eine Maske, die nur den oberen Teil des Gesichts verdeckte und so sprechen, essen und trinken erleichterte. Auf dem Markusplatz spielen sich die meisten der vielen Darbietungen ab. So gab es unter dem Campanile (Glockenturm) ein Marionettentheater, das mit Puppen in den traditionellen venezianischen Kostümen immer neue Abenteuer unter großem Beifall des Volkes bestand. In Käfigen wurden wilde Tiere zur Schau gestellt, Feuerspucker, Jongleure und Musiker versetzte die Menge ins Staunen. Barden sangen ihre Weisen, Quacksalber und Barder boten ihre Wundersalben feil oder zogen Zähne. Wahrsager und Astrologen wagten für einen Taler einen Blick in die Zukunft. Aber auch grausame Jagden auf Stiere und blutige Kämpfe zwischen Bären und Hunden wurden anfangs noch veranstaltet. |
![]() Kostüm mit Halbmaske |
Der Höhepunkt des Karneval ist der „Volo dell’Angelo“ (Engelsflug). Zuerst 1548 wagte ein Akrobat über ein Seil, das von der Bucht des Markusplatzes bis hoch in die Turmspitze des Campanile gespannt war, zu klettern. Von dort oben warf er dann Blumen in die Menschenmenge. |
![]() Engelsflug |
![]() Volo dell’Angelo |
Heute ist der Karneval in Venedig ein Hochgenuss fürs Auge. Viele der Kostüme und Masken die getragen werden sind wahre Kunstwerke und oftmals so teuer, dass nur wenige sie sich leisten können. Phantasievolle Gestalten aus orientalischen Märchen fahren in einer Gondel über den Canale Grande oder posieren auf dem Markusplatz, wo sich täglich bis zu 125 Tausend Menschen staunend vorbeischieben. Venedig ist zu keiner Zeit des Jahres autistischer als zu Karneval. Die leichte Melancholie der Stadt spiegelt sich in den Masken wieder und die majestätisch-romantische Nostalgie in den Gewändern. Dies geschieht vor den Hintergründen der alten Gebäude und Brücken der Stadt. Es ist, als wäre man der Zeit entrückt und würde alles im 17. oder 18. Jahrhundert erleben, wenn nicht die vielen Besucher aus aller Welt dieses Gefühl etwas dämpfen würden. |
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