Der „Wilde Westen“ gleich vor der Haustür, so ungefähr könnte man die Maremma beschreiben, die sich über die gesamte südliche Toskana und Teile des nördlichen Latiums erstreckt. Die Maremma war ursprünglich eine zusammenhängende, mit dem Tyrrhenischen Meer verbundene Sumpflandschaft, die im 18. und 19. Jh. durch ein Entwässerungsprogramm von den Großherzögen der Toskana trocken gelegt wurde. Das alte Wappen der Maremma schloss die 4 Buchstaben MMSS ein, die für Elend (Miseria), Malaria (Malaria), Schweiß (Sudore)und Blut (Sangue) standen. In dieser lebensfeindlichen Gegend lebten und arbeiten heute noch die Butteri (singular: Buttero), die Cowboys der Maremma. Das Wort „Buttero“ stammt aus dem griechischen Wort Botér ab, was so viel wie Viehhüter bedeutet. Damals war die Maremma in Großgrundbesitze aufgeteilt und die Arbeit der Butteri war es, das freilebende Vieh von einer Weide zur nächsten zu treiben, neugeborene Kälber zu brandmarken und sich um kranke und verletzte Tiere zu kümmern. |
![]() Buttero zu Pferd mit Uncino |
![]() Merca - ein Art Rodeo |
![]() Viehtrieb druch einen Fluss |
Das Vieh, wie auch die Pferde, die die Butteri für ihre Arbeit reiten sind sehr widerstandsfähig und dem rauhen Gebiet in dem sie leben angepasst. Das maremmanische Rind mit seinen langen Hörnern ist mit den Rindern der ungarischen Pusta verwandt. Bei der Arbeit reiten die Butteri einen Maremmano, ein maremmanisches Pferd, in dessen Ausgangsrasse spanische Pferderassen eingekreuzt wurden, die die Größe des Pferdes beeinflussen, sowie Berber (Araberrasse), denen der Maremmano seinen geduldigen Charakter, Leistungsbereitschaft und Härte verdankt. Diese Rasse ist in schwierigem Gelände außergewöhnlich trittsicher und sehr wendig. Die Maremmano haben in der Regel ein Stockmaß von über 1,65 m. Die Farbe der Pferde ist dunkelbraun bis fast schwarz. |
![]() Maremma-Kuh |
![]() Scafarda - der Sattel der Butteri |
Zwei Arten von Sattel gibt es für die Pferde. Entweder man reitet den „Scafarda“, dies ist ein äußerst bequemer ehemaliger Militärsattel mit einer extrem großen Auflagefläche oder den „Bardella“, einen einfachen, aber nicht weniger bequemen Sattel. Dieser dicke Ledersattel ist mit Tierhaaren gefüllt, der sich mit der Zeit immer mehr dem Reiter und dem Pferd anpasst und somit sehr bequem für beide ist. Er kann daher nicht von verschiedenen Reitern benutzt werden. Die traditionelle Arbeitsweise ist die „Monta Maremmana“, eine Art, die den Butteri ein Höchstmaß an Beweglichkeit auf dem Pferd im Umgang mit der Viehherde abverlangt. Dabei führt er das Pferd mit einer Hand am Zügel und reitet mehr über die Schenkel und mit Gewichtsverlagerung. In der anderen Hand hält er den „Uncino“ einen langen Hirtenstab, der am oberen Ende gegabelt ist. |
Die Butteri sind stolz darauf ihren Lebensunterhalt in einem Landstrich hart zu erarbeiten, dass früher wegen der Malaria berüchtigt war. Selbstverständlich gibt es heutzutage in der Maremma keine Malaria mehr und die Butteri genießen dort immer noch hohes Ansehen. Zwar sind sie international nicht so bekannt wie ihre amerikanischen Kollegen, aber nicht weniger geschickt im Umgang mit den Viehherden. Im Jahre 1890, so erzählt es die Legende, hat der Onorato Caetani di Sermoneta (italienischer Politiker, geb. 18. Januar 1842, gestorben 2. September 1917) Buffalo Bill (Oberst William Frederick Cody, geb. 26. Februar 1846, gestorben 10. Januar 1917) mit seinen Cowboys und Indianern gesehen, als sie sich auf einer Tournee durch Italien befanden. |
![]() In der Steppe Rinder treiben |
![]() Rindertränken in der Maremma |
Dabei kam er auf den Gedanken, einen Wettstreit zwischen der Truppe von Buffalo Bill und den in der Maremma lebenden Butteri auszutragen. Man wollte sich in den noch heute in Rodeos üblichen Disziplinen, wie Vieh treiben und Kühe mit dem Lasso einfangen, messen. Dazu sollten die Butteri die Tiere von Buffalo Bill und umgekehrt treiben. Als Preisgeld wurden 1.000 Lire, was heute etwa 10.000 € entspricht und die Einnahmen aus dem Kartenverkauf festgelegt. Leider hat der Organisator dieses Spektakels bei den Vorbereitungen übersehen, die Regeln für den Wettstreit festzulegen, sodass danach kein Gewinner zu ermitteln war. Buffalo Bill nahm das gesamte Geld an sich und floh mit seiner Truppe. Hinterher behauptete er sogar, dass er betrogen worden sei. |
Heute noch werden Merca (ein Art Rodeo) zum Gedenken an dieses Ereignis in der Stadt der Butteri (Città dei Butteri) in Cisterna di Latina (ca. 50 km südöstlich von Rom) im Mai und Oktober gefeiert. |