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Neapel sehen und sterben

Vedi Napoli e poi muori

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Neapel sehen und sterben, so beschrieb Deutschlands bedeutendster Dichter Johann Wolfgang von Goethe während seiner Italienischen Reise die Küstenstadt am Fuße des Vesuvs, als er diese Stadt 1786 besuchte. Napoli, wie Neapel auf Italienisch heißt ist mit seinen über 4,4 Mio. Einwohnern (Vororte mitgerechnet) die drittgrößte Stadt nach Rom und Mailand, ist Hauptstadt der Region Kampanien und auch der Provinz Neapel. Die Stadt mit ihren insgesamt 31 Stadtteilen schmiegt sich entlang des Golfs von Neapel an die Küstenlinie an. Geprägt wird die Stadt durch ihre verschiedenen kleinen Zentren, denn eine Stadtmitte hat Neapel nicht. So sind es die vielen großen Plätze, wie die Piazza Dante im Nordwesten der Altstadt, die Piazza Garibaldi am Hauptbahnhof, die Piazza Cavour, nördlich der Altstadt, die Piazza Mercato am Frachthafen und die Piazza Municipio wo sich die Bewohner zum Plausch treffen.

Blick auf die Hafenstadt Neapel
Blick auf die Hafenstadt Neapel
Gegründet wurde Neapel um 750 v. Chr., als die griechische Kolonie Kyme (lat.: Cumae). Deswegen kann Neapel auf eine lange Geschichte zurückblicken, die sehr bewegt gewesen ist. Der Name der Stadt ist wohl so entstanden, dass 500 v. Chr. auf dem Hügel Pizzofalcone (ca. 1 km von Cumae entfernt) eine zusätzliche Stadt (Parthenope, griech.: Paläopolis, übersetzt: Alte Stadt) entstanden ist. Zwischen dem Meer und dem Berg dehnte sich die Stadt weiter aus, die den Namen Neue Stadt (griech.: Neapolis) bekam. Wer sich für die Entwicklungsgeschichte und der zahlreichen Epochen der lebhaften Stadt interessiert, findet in den Museen der Stadt zahlreichen Exponate, aus nahezu allen Epochen der Stadtgeschichte.

Kurze Zeit nach der Gründung von Neapel zählte die Stadt bereits zu den florierenden Städten im heutigen Italien und ein Bündnisvertrag mit Rom brachte Neapel 326 v. Chr. eine relative Unabhängigkeit ein. Diese büßte sie aber wieder ein, denn fast 250 Jahre später unter den römischen Bürgerkriegen (88-82 v. Chr.) hielt Neapel nicht zu Rom und wurde Lucius Cornelius Sulla Felix (* um 138/134 v. Chr.; † 78 v. Chr.) zu einer abhängigen Provinzstadt erklärt. Danach, in der darauf folgenden Römischen Kaiserzeit, machte Neapel wenig Aufsehen. Da standen eher die Nachbarstädte wie Herculaneum, Pompeji, Capri durch außergewöhnliche Bauwerksvorhaben im Vordergrund, aber Neapel profitierte finanziell dennoch davon. Bis zur Mitte des 3. Jh. n. Chr. änderte sich das Bild der Einwohner Neapels, die griechischen Einwohner wurden mehr und mehr zur Minderheit und die Italiker ersetzten schließlich die griechische Sprache gegen Latein. Aber auch die Frühkristen hatten in Neapel keinen leichten Stand und wurden verfolgt. Ähnlich wie auch in Rom bauten sie Katakomben, wo sie sich versammelten und auch ihre Angehörigen bestatteten. Diese Katakomben sind heute noch erhalten und werden von interessierten Besuchern aus der ganzen Welt besucht.

Neapel um 1734
Neapel um 1734
Die Herrschaft in Neapel wechselte von den Römern zu den Langobarden, die im Jahre 568 n. Chr. in ganz Italien einfielen. Jedoch blieb der Einfluss der Byzantinern und Oströmern in Neapel lange Zeit erhalten. Erst im 8. Jh. änderte sich die politische Lage und die Neapolitaner näherten sich, zusammen mit den Langobarden, an die Römisch-Katholischen Kirche an. Aber ein Konflikt mit Benevent (Sitz langobardischer Herzöge; heute Benevento) rief Streitkräfte der befreundeten sizilianischen Araber nach Neapel. Dadurch entstand eine Islamisierung Italiens durch die Araber, die für sensible Kenner der italienischen Kultur heute noch in den südlichen Regionen Italiens wahrzunehmen ist. Aber diese Verbindung brachte den Neapolitanern auch große Vorteile. Zusammen mit der Seerepublik Amalfi (an der Amalfiküste, südlich von Neapel) und dem Herzogtum Gaeta gelang Neapel der Mittelmeerhandel noch vor den Genuesen und Venezianern. So war es auch nicht verwunderlich, dass 1137 die Normannen ihre Hand Richtung Neapel ausstreckten und das Königreich Sizilien an dem Wohlstand partizipierte.

Nach einer Herrschaft von 165 Jahren gelang es den Staufern die Normannen durch einen kurzen Feldzug zu entmachten. Heinrich VI. übernahm an deren Stelle das Sagen in Neapel und sein Sohn Friedrich II. von Hohenstaufen gründete 1224 die erste Universität Europas in Neapel, die heute noch seinen Namen seinen trägt. Kurz nach dem verscheiden Friedrich II. fällt Neapel 1266 an Karl I. und nach langen blutigen Disputen mit den staufischen Erben wurde 1268 Konradin, der letzte männliche Staufer, enthauptet. Karl I. von Anjou verliert 1282 Sizilien und konzentriert sich fortan ganz auf Neapel. Die Anjouer unterdrücken in Ihrer Herrschaft bis 1442 die Neapolitanische Bevölkerung auf brutale Weise, dennoch erlebt Neapel eine architektonische und kulturelle Blütezeit und wird neben Florenz zu den bedeutenden Städten für Wirtschaft, Kunst, Wissenschaft und der Architektur in ganz Italien.

Diese Unterdrückung wurde 1442 von dem aragonesischen König Alfonso beendet. Der König verbesserte die Außenhandelsbeziehungen zwischen der iberischen Halbinsel und Neapel, was zu einer weiteren wirtschaftlichen Verbesserung führte und Neapel avancierte zum Zentrum der italienischen Renaissance. Nach einer sehr kurzen französischen Herrschaft im 16. Jh. kam das Königreich Neapel als eine Provinz zum spanisch-habsburgischen Weltreich und die spanische Krone steuerte Neapel an den Rand des wirtschaftlichen Ruins. Vom Jahre 1450 an explodierten die Einwohnerzahlen der Stadt von ca. 40.000 auf ca. 210.000 im Jahre 1550 und die Regierungen waren außerstande diese Entwicklung in der Städteplanung zu berücksichtigen. Zwar war Neapel dadurch zweitgrößte Stadt Europas (nach Paris) und größte Italiens, aber der demographische Wandel musste beherrscht werden. So wurden die vorhandenen Häuser auf bis zu fünf- und sechsstöckige Wohnhäuser aufgestockt und Neapel wurde um ein neues Viertel (quartiere spagnolo, deutsch: spanisches Viertel) vergrößert. Aber den Neapolitanern hat die Machtstellung der spanischen Vizekönige nicht viel gebracht, denn das Hauptgeschäft der spanischen Krone lag auf der iberischen Halbinsel und den dortigen Kolonien. So verkam Neapel immer mehr zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft, was sich bei dem Volk in Revolten und Unruhen ausdrückte.

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1547 kam es noch unter dem Vizekönige, Pedro Álvarez de Toledo zur ersten Revolte, weitere Unruhen folgten und 1647 detonierte die soziale Spannung bei dem Masaniello-Aufstand. Für kurze Zeit (1647 und 1648) riefen die Neapolitaner sich zur Republik aus, was aber schnell von den spanischen Herrschern niedergeschlagen wurde. Nach noch einem kleinen Versuch der Rebellion im Jahre 1649 ergaben sich die Neapolitaner ihrem Schicksal.

Die Große Pest wütete 1656 auch in Neapel und raffte die Hälfte der bis dahin auf 300.000 Bewohner angewachsene Stadt dahin. Im Jahre 1707 gaben die spanischen Habsburger Neapel an die österreichischen Habsburger ab, aber dadurch änderte sich die Lage Neapels nicht nennenswert. Die Lage verbesserte sich erst für die Neapolitaner als die Bourbonen Süditalien und Österreich beherrschten. Karl VII. reformierte das Königreich Neapel, räumte in den Reihen der korrupten Kirchenanhänger und Adeligen auf, verbesserte das kulturelle Leben in der Stadt und nahm architektonische Veränderungen am Stadtbild vor. Seinem Sohn Ferdinand IV. gelang es leider nicht, das Lebenswerk seines Vater fortzuführen und die alten Machenschaften wurden wieder salonreif bis erschütterliche Ereignisse aus Frankreich ihre Schatten über ganz Europa ausbreiteten.

Die Revolutionstruppen, befehligt von General Jean-Étienne Championnet zogen 1799 in Neapel ein und Patrioten aus Neapel riefen daraufhin die Neapolitanische Republik (Parthenopäische Republik), ein Revolutionsexport aus Frankreich aus. Dieses Experiment endete aber schnell wieder. Zum einen konnte sich der Pöbel Neapels damit nicht anfreunden und zum anderen durch die Rückeroberung Neapels durch Horatio Nelson. Der mit seinen englischen Streitkräften die Wiedereinsetzung des borbonischen Königs Ferdinand IV. ermöglichte, wofür er von diesem zum Herzog von Bronte mitsamt der Ländereien auf Sizilien befördert wurde. Bei der Eroberung wurde fast die komplette intellektuelle Oberschicht Neapels ausgelöscht. Durch Napoléon Bonaparte wurde Ferdinand IV. entmachtet, jedoch gleich nach dem Untergang Napoléons kehrte er nach Neapel zurück und beseitigte als erstes die Reformbemühungen der Franzosen. Aber einmal freie Luft geschnuppert ließen sich die Neapolitaner nicht wieder in die alten Korsetts zwängen und fingen an sich mit der Idee eines unabhängigen Italiens anzufreunden. So wurde Neapel nach der Eroberung durch Giuseppe Garibaldi 1860 Teil des Königreiches Italien und der letzte Bourbonen-Herrscher Franz II. wurde 1861 nach seiner Kapitulation für abgesetzt erklärt.

Solfatara - Schwefelablagerungen am Felsen
Solfatara - Schwefelablagerungen am Felsen
So spannend wie die Entstehungsgeschichte Neapels ist die Stadt noch heute; aufregend schön! Somit ist es nicht verwunderlich, dass Goethe bei seiner Italienischen Reise Neapel so ins Herz geschlossen hatte. Allerdings hat der von Goethe viel zitierte Satz im italienischen „Vedi Napoli e poi muori“ eine Doppeldeutigkeit, denn muori bedeutet zum einen sterben, zum anderen ist Muori ein Ort in der Nähe von Neapel.

Interessantes über Neapel:

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Bereits 1830 eröffnete im Ortsteil Port'Alba die heute älteste Pizzeria Italiens, die Antica Pizzeria, nur wenige Meter von der Piazza Dante Alighieri entfernt. Neapel gilt ja als die Wiege der Pizza, wobei sich bei dem Thema die Römer und Neapolitaner seit Jahrzenten ordentlich streiten. Denn auch die Römer sagen, dass die Pizza in ihrer Stadt erfunden worden ist. Somit findet sich als günstigste Pizza in Rom die Pizza Napoli wieder und in Neapel die Pizza Roma, aber es gibt durchaus Pizzerien in beiden Städten wo die Pizza Magherita die günstigste Pizza ist. Enrico Caruso (1873 – 1921) sage, dass er eines Tages nach Neapel, in seine geliebte Heimat, zurückkehren wird, aber nicht um zu singen, sondern um Pizza zu essen!
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Die Weihnachtskrippen, die in den traditionellen Werkstätten und später in den Geschäften der Altstadtgasse Via San Gregorio Armeno verkauft werden überragen durch ihren Realismus und Ideenreichtum, die sehr realistische Alltagszenen, mitunter auch aktuelle politische Geschehnisse, wiedergeben. Neapel ist seit Jahrhunderten schon berühmt für diese Eigenart der Krippen.
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Das größte „Wunder“ findet alljährlich am 19. Sep. und 16. Dez. im Dom von San Gennaro statt. Dort wird das „Wunder“ der Blutverflüssigung zelebriert. Laut der kath. Kirche solle es sich dabei um eine Reliquie des Heiligen Januaris handeln. Blut, das in einer Phiole aufbewahrt wird verflüssigt sich. Bleibt das „Wunder“ aus, so stürzt das Neapel in tiefes Unglück. Aber die Chemie hat kann helfen, denn es gibt für dieses angebliche Wunder eine ganz einfache Erklärung. Thixotrope sind Stoffe, die mit Eisen(III)-chlorid, Kalk und Wasser hergestellt werden und die sich bei ständigem schütteln, wie es bei den Prozessionen passiert, verflüssigen. Allerding bleibt zu bemerken, dass in den Jahren 1980 und 1988 wo dieses „Wunder“ ausblieb es ein schweres Erdbeben (1980) gab und SSC Neapel 1988 die Meisterschaft knapp verfehlte…..
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Neapel liegt zwischen dem Vesuv und den Phlegräischen Feldern (Campi Flegrei), ca. 20 km westlich des Vesuvs diese Felder dehnen sich untermeerisch aus und erreichen die Inseln Ischia und Procida (im Südwesten) sowie Nisida (im Nordosten). Die Solfatara bei der Ortschaft Pozzuoli westlich von Neapel ist bekanntes Ausflugsziel vieler Touristen. Allerdings für feine Nasen ist ein Besuch nicht zu empfehlen, denn die Schwefeldämpfe sind kaum zu ertragen, dann lieber in einem Tabacchi eine Postkarte kaufen…
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Der Dialekt der Neapolitaner ist Nnapulitano, gehört zur Gruppe der westromanischen Sprachen und zugleich Mutterdialekt aller Dialekte in Kampanien.
 
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