Paestum (ital. Pesto) ist eine anerkannte Ruinenstätte in Kampanien in der Provinz Salerno. Sie liegt 95 km südlich von Neapel, 40 km südlich von Salerno und ist 9 km vom Meer (Golfküste) entfernt. Deshalb nimmt man an, dass die Griechen keinen Hafen als Handelsstützpunkt anlegen wollten, sondern eher die Kultivierung des fruchtbaren Bodens als Ziel hatten. |
600 v. Chr. wurde die Stadt von Griechen aus Sybaris und Troizen gegründet und nannten sie Poseidonia. Durch den Bau der 3 großen Tempelanlagen wurde der Wohlstand im 5. und 6. Jahrhundert dokumentiert und sind bis heute als Ruinen erhalten. Die Lucaner eroberten die
Stadt 400 v. Chr. und nannten sie um in Paistos. Unter dem Namen Paestum wurde die Stadt 273 v. Chr. zur lateinischen Colonia. Während der römischen Kaiserzeit verlor sie aber an Bedeutung und Wohlstand. Zerstört wurde Paestum im 9. Jahrhundert durch die Sarazenen und im 11. Jahrhundert durch die Normannen. Der endgültige Niedergang der Stadt passierte dann aber schließlich durch die Versumpfung des Umlandes(500 n. Chr.) und die dadurch aufkommende Malaria. |
![]() Mauerreste |
Die Bewohner entflohen dieser Krankheit, siedelten in ein höher gelegenes Gebiet um und gründeten einen neuen Ort mit dem Namen Capaccio. Paestum verwandelte sich von da an in einen Urwald und wurde vergessen. Erst 1752 wurde die Stadt wieder entdeckt,(etwa zeitgleich mit Pompeji und Herkulaneum) da man eine Küstenstraße bauen wollte. Die Wiederausgrabung dieser Stadt erregte zu dieser Zeit großes Aufsehen. |
![]() Innenaufnahme Basilika |
3 Baudenkmäler, die 3 dorischen Tempel, aus griechischer und römischer Zeit kann Paestum heute vorweisen. Sie stehen jeweils für eine bestimmte Bauepoche des dorischen Stils. In jedem dieser 3 Tempel findet man eine Cella (Hauptraum des Tempel) vor. Der archaische Heratempel (ca. 510 v. Chr.) auch Basilika genannt, einer der größten griechischen. Tempel. Er wurde in 30 Jahren erbaut und mehrfach vom ursprünglichen Entwurf verändert. Das große dorische Heiligtum wurde zu Ehren der Göttin Hera erbaut, hat 9 Säulen (9 Meter hoch) an der Vorder -und Hinterseite und 19 Säulen an jeder Längsseite. Es gibt im Innern 2 Vorhallen und in der Mitte die zweigeteilte Cella .Die Cella ist nur an den Mauerresten und den verbliebenen Säulen zu rekonstruieren. Er war der farbenprächtigste Tempel, dies zeigen Statuen, Reliefs und Terracottastücke (zu sehen im Museum).An den Säulen erkennt man noch Blätter, Rosetten, Lotusblumen und Palmen. Im antiken Griechenland bezeichnete man das Justizgebäude als Basilika. Erst die Entdeckung des Altars vor dem Gebäude verlieh dem Gebäude eine religiöse Bedeutung ,denn es wurden Zeremonien und Opferfeiern immer vor dem Tempel abgehalten. Der Bürger hatte niemals Zutritt zum Tempel. |
![]() Neptun (griechisch: Poseidon) - Tempel |
![]() Am Eingang - Nähe des Ceres-Tempels |
Der Poseidontempel/Neptuntempel(ca. 450 v. Chr.) ist der besterhaltene Tempel. Man nahm an, dass der großartigste Tempel somit der Gottheit gewidmet war. Daher hieß er bei den Griechen Poseidon und bei den Römern Neptun. Er hat jeweils 6 Säulen an der Vorder- und Hinterfront und diese tragen den griechischen Giebel. Im Innern befinden sich ebenfalls noch Säulen und Mauerreste, wo man die Einteilung erkennen kann. Es gab eine Vorderhalle, an die sich die Cella anschloss und am Ende die Götterfigur (Hera) throhnte. Dahinter befand sich die hintere Halle und die Cella war durch 2 Säulenreihen in 3 Schiffe aufgeteilt. Durch die doppelte Säulenreihe kann man sich die Dach-Konstuktion aus Holz vorstellen, die mit Ziegeln bedeckt war. Zusammen mit den Hallen entsteht ein Eindruck von einem hohen, dunklen Raum, der durch Fackeln erleuchtet, einem religiösen Zeremoniell einen angemessenen Rahmen bot. Vor dem Tempel am Altar wartete der Bürger der Stadt Poseidonia, im hellen Licht der Sonne, auf das kurze Öffnen des dunklen Raumes der Göttin oder des Gottes. Es ist nicht richtig geklärt, ob der Poseidontempel allein der Göttin Hera gewidmet blieb oder die Opfergaben und Zeremoniell eben doch diesem Meeresgott Poseidon( nach ihm wurde die Stadt Paestum genannt) galten. |
![]() Cella-Einteilung im Neptun-Tempel |
![]() Seitenansicht vom Neptun-Tempel |
Der Cerestempel ( ca. 500 v. Chr.) befindet sich an der höchsten Stelle der Stadt und trotz des Namens Ceres ist er der Göttin Athene geweiht. Der Göttin der Weisheit und Künste, wurden alle am höchsten Punkt gebauten Tempel in jeder antiken Stadt gewidmet. Er hat an der Kurzseite 6 Säulen und an der Längsseite jeweils 13 Säulen .An einer Frontseite ist noch der Rest eines hohen Giebels erhalten, gegenüber fast vollständig. Im Gegensatz zum Neptuntempel und der Basilika ist er einfacher gestaltet und besitzt nur eine Vorhalle, von deren 4 Säulen nur noch die Sockel erhalten sind. Außerdem noch eine Säule und Halbsäule, an der das Mauerwerk zur Cella beginnt. Eine hintere Halle ist nicht vorhanden. Im Museum kann man die reiche äußere Ausstattung durch Einzelstücke dieses Tempel bewundern .z.B.: Traufleisten als Löwenköpfe, gemalte Dekorationen aus Stein, oder auch Ionische Kapitelle aus dem Innern des Tempel. Teile des Cerestempel wurden im 9. Jahrhundert in eine christliche Kirche verwandelt, als Paestum an Bedeutung verlor. So behielt das verbliebene Dorf den Namen Cerestempel. |
![]() Ceres-Tempel |
![]() Innenansicht vom Ceres-Tempel |
Paestum ist von einem fast vollständigen Mauerring( 4,75 km) in lukanischer und römischer Bauweise umgeben und besitzt 4 Haupttore und 47 Nebentore. Die Nebentore nennt man posterulae, sie dienten als Zugang, aber auch als Verteidigung. Die 4 Haupttore waren mit Türmen versehen und standen im Norden, Porta Aurea, (wenig erhalten) im Süden, Porta Giustizia, im Osten, Porta Sirena im Norden und im Westen (Meerseite) Porta Marina. Die 28 Türme der Stadtmauer sind zerstört oder zu Ruinen zerfallen. |
![]() Heroon - sogenanntes Sacellum |
![]() Forum |
Das Aphiteater von Paestum ist nur zur Hälfte ausgegraben. Es ist ein römischer Bau und wie zu dieser Zeit üblich, diente er für Gladiatorenkämpfe, einfache Jahrmärkte oder auch für Theateraufführungen. Zu erwähnen sei noch das Comitium, ein Rundbau mit Treppenstufen, die auf einer künstlichen Aufschüttung ruhen. Es wurde direkt nach dem Jahr 273 v. Chr. erbaut, diente für Bürgerversammlungen und für Wahlen der Magistraturen abzuhalten. Das dortige Museum zeigt viele Teile der Tempelanlage. Dort kann man Traufleisten, Löwenköpfe, Dekorationen und vieles mehr bewundern. |
![]() Fresken (Malereien) aus den Tempelanlagen |
Paestum gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO und sollte ein Besuch wert sein, wie es einst auch Johann Wolfgang von Goethe tat. |
Johann Wolfgang Goethe besuchte Paestum im Rahmen seiner Italienischen Reise am 23. März 1787, also 25 Jahre nach seiner Wiederentdeckung. Er schreibt darüber: |
„„Das Land ward immer flacher und wüster, wenige Gebäude deuteten auf kärgliche Landwirtschaft. Endlich, ungewiss ob wir durch Felsen oder Trümmer führen, konnten wir einige große länglich-viereckige Massen, die wir in der Ferne schon bemerkt hatten, als überbliebene Tempel und Denkmale einer ehemals so prächtigen Stadt unterscheiden [...] Von einem Landmanne ließ ich mich indessen in den Gebäuden herumführen, der erste Eindruck konnte nur Erstaunen erregen. Ich befand mich in einer völlig fremden Welt. Denn wie die Jahrhunderte sich aus dem Ernsten in das Gefällige bilden, so bilden sie den Menschen mit, ja sie erzeugen ihn so. Nun sind unsere Augen und durch sie unser ganzes inneres Wesen an schlankere Baukunst hinangetrieben und entschieden bestimmt, so dass uns diese stumpfen, kegelförmigen, enggedrängten Säulenmassen lästig, ja furchtbar erscheinen. Doch nahm ich mich bald zusammen, erinnerte mich der Kunstgeschichte, gedachte der Zeit, deren Geist solche Bauart gemäß fand, vergegenwärtigte mir den strengen Stil der Plastik, und in weniger als einer Stunde fühlte ich mich befreundet, ja ich pries den Genius, dass er mich diese so wohl erhaltenen Reste mit Augen sehen ließ, da sich von ihnen durch Abbildung kein Begriff geben lässt. “ |
![]() Gymnasium - Schwimmbecken |
![]() Eingang - Basilika im Hintergrund |
![]() Grundmauerreste von Gebäuden |
![]() Ausgrabungen vor dem Neptun-Tempel |